Der Coach als Unternehmer*in

Zuerst die innere Haltung, dann die äußere Form! Es ist wie beim Malen, wo man die Glanzlichter zuletzt aufsetzt.
Konfuzius (551 v. Chr.–479 v. Chr.), chinesischer Philosoph

Brigitte Wolter: Ich will Coach werden
Brigitte Wolter, Coach und Autorin des Buches „Ich will Coach werden!“

Wer sich als Coach selbstständig macht, betritt als Unternehmer die Bühne der Geschäftswelt und ist damit ein Akteur mehr auf dem heftig umworbenen Coaching-Markt. Um sich dort erfolgreich zu etablieren, bedarf es neben der fachlichen Expertise vor allem unternehmerischer Fähigkeiten. Dazu zählen Risikobereitschaft, Kreativität, betriebswirtschaftliches Wissen, Ausdauer, Kenntnisse über den Markt und Marketing-Know-how.

Als ich mich 2003 selbstständig machte, bekam ich einen Existenzgründungszuschuss von der Agentur für Arbeit in Form des sogenannten Überbrückungsgeldes, das seit dem 1. August 2006 durch den Gründungszuschuss abgelöst wurde. Um das Überbrückungsgeld zu beantragen, musste ich einen Businessplan vorlegen, in dem ich meine Geschäftsgründung bis ins letzte Detail zu erläutern hatte.
Kern dieses Businessplans war eine Ertragsvorschau und Rentabilitätsrechnung mit Angaben, wie ich in den ersten drei Geschäftsjahren Umsätze bzw. Gewinne zu generieren gedachte. Bei der Erstellung des Businessplans unterstützte mich ein Gründungszentrum in Frankfurt. Dort bekam ich auch wertvolle Tipps zur Rechtsform, zu steuerlichen Aspekten und zu Risiken und Chancen der Selbstständigkeit. So enthielt der Businessplan eine Stärken-Schwächen-Analyse und ein Ausstiegsszenario, das für den Fall des Scheiterns einen geordneten Rückzug aus der Selbstständigkeit vorsah, um weitere Verluste zu vermeiden. Das klingt hart und gar nicht romantisch, ist aber unbedingt notwendig. Ich kann nur jedem Existenzgründer empfehlen, einen Businessplan auszuarbeiten. Zahlreiche Vordrucke dazu finden Sie im Internet oder bei Existenzgründungszentren. Lassen Sie sich bei Letzteren beraten, vor allem, wenn Sie sich in kaufmännischen Belangen noch nicht so gut auskennen und keine Erfahrung als Geschäftsführer haben.

Die Zusammenarbeit mit einem Steuerberater ist ebenfalls ratsam. Meiner Erfahrung nach stößt man als Selbstständiger schnell an seine Grenzen, wenn es um Umsatz- und Einkommenssteuererklärungen geht. Die Frage, ob Ihre Tätigkeit als gewerblich oder freiberuflich einzustufen ist, sollten Sie auf jeden Fall mit einem Steuerberater klären.

Der Businessplan zwingt Sie, Ihre Ziele, Ihre Zielgruppen und Angebote exakt zu definieren und eine Ertragsvorschau und Rentabilitätsrechnung für die ersten drei Jahre zu erstellen. Außerdem enthält ein Businessplan eine Mitbewerber- und eine Stärken-Schwächen-Analyse (Worst-Case- und Best-Case-Study) sowie einen Marketingplan, aus dem hervorgeht, wie Sie Ihre (Umsatz-)Ziele erreichen wollen.
Ob Sie einen Businessplan erstellen oder nicht − der Weg vom Profi zum Profit führt auf jeden Fall über das Profil. Ich möchte Ihnen daher ans Herz legen, zumindest die nachfolgenden Fragen zu Ihrer Persönlichkeit und zu Ihrer beabsichtigten Tätigkeit als Coach ausführlich und schriftlich zu beantworten und sich dafür Zeit zu lassen:

  • Was ist mir wichtig? Nach welchen Werten richte ich mein Leben aus?
  • Was zeichnet mich als Persönlichkeit aus? Welche Erfahrungen welches Wissen, welche Fähigkeiten bringe ich mit?
  • In welcher Branche war ich bisher tätig?
  • Welche Feldkompetenz zeichnet mich aus? Welche Funktionen habe ich übernommen, welche Aufgaben und Herausforderungen habe ich in meinem Beruf gemeistert? Was habe ich dabei gelernt? Was ist meine Kernkompetenz?
  • Wen will ich künftig beraten, coachen? Privatkunden und/oder Unternehmen? Groß- oder Kleinunternehmen?
  • Aus welcher Branche sollen meine Kunden kommen?
  • Auch wichtig: Wen will ich nicht als Kunden haben?
  • Was brauchen meine Kunden am dringendsten?
  • Wie kann ich ihnen helfen, ihre Probleme zu lösen?
  • Was will ich meinen Kunden anbieten? Einzel-Coachings? Seminare? Trainings? Online-Coaching? Webinare? Wie sieht mein Produktportfolio aus?
  • Welche Themen will ich besetzen? Zum Beispiel Work-Life-Balance, Wellness, Unternehmens-Coaching, Konflikt-Coaching, Karriere-Coaching etc.?
  • Was ist mein Spezialgebiet? Wie lautet mein einzigartiges Verkaufsversprechen, mein USP (Unique Selling Proposition)?
  • Wer sind meine Mitbewerber (bezogen auf meine Angebote) und wer meine Zielkunden?
  • Was kann ich in Bezug auf die Bedürfnisse meiner Zielkunden besser oder anders als meine Mitbewerber machen?
  • Warum werden Klienten zu mir kommen und nicht zu meinen Mitbewerbern? Welche Vorteile haben sie von meiner Betreuung?

Ohne solche grundsätzlichen Überlegungen laufen Sie Gefahr, einen Bauchladen an Angeboten für Kunden zu offerieren, deren Bedürfnisse Sie nicht kennen − mit dem Ergebnis, im Meer der Alleskönner-Coaches unterzugehen.
Machen Sie sich Ihre Einzigartigkeit bewusst und bringen Sie diese zum Ausdruck: Es gibt viele Coaches, aber nur einen mit Ihrem Profil und Ihren Erfahrungen. Was Sie den Menschen mitgeben, bringen nur Sie mit. Wenn Sie Ihre Einzigartigkeit mit Kreativität und Konsequenz in den Markt transportieren, erhöhen Sie Ihre Chancen beträchtlich, beachtet und gebucht zu werden.

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Brigitte Wolter: Ich will Coach werden 2. AuflageAus: Brigitte Wolter: Ich will Coach werden. Von der Idee zum Traumberuf – Wie Sie sich qualifizieren und die Grundlage für eine erfolgreiche Coaching-Praxis legen

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