Die Grundstruktur für guten Stil

„Vollkommenheit entsteht offensichtlich nicht dann, wenn man nichts mehr hinzuzufügen hat, sondern wenn man nichts mehr wegnehmen kann.“ — Antoine de Saint-Exupéry

Die Grundstruktur – und wie sie Dir helfen kann

Autoren verheddern sich häufig in der Struktur ihrer Texte. Vor allem dann, wenn sie sich in ihrer Materie so gut auskennen, dass sie mehr Antworten haben als Fragen. Die Grundstruktur hilft Dir, Deinen Stoff zu bändigen. So bleiben Deine Texte übersichtlich und bereiten den Lesern Freude.

Die drei Teile

Jeder Text besteht aus drei Teilen: Einleitung, Mittelteil, Schluss: Ich sage, was ich sagen werde. Ich sage es. Ich sage, was ich gesagt habe. Den Schluss schreibst Du zum Schluss, die Einleitung danach. Was Du also für den Anfang bewältigen musst, ist der Mittelteil.

Wenn sich Dir mehr Antworten aufdrängen, als Du an Fragen je gestellt hast, ist es Deine Aufgabe, Deinen Stoff so zu gliedern, dass Du nur eine einzige, eine Hauptfrage aus dem Ganzen destillierst. Diese Hauptfrage – z.B. wie hilft mir die Gliederung beim  Bändigen der Materialfülle – kannst Du herunterbrechen auf einzelne Phänomene. Dabei musst Du Dich beschränken, denn Du kannst nicht alle Phänomene beschreiben und alle Probleme lösen: Du brauchst den Mut zum Weglassen.

„Ich weiß zu viel!“

Wie findest Du diese Hauptfrage und wie untergliederst Du das Material? Wenn in Deinem Verständnis alles gleichwertig ist, was Du zu Deiner Thematik weißt, dann empfiehlt es sich, Deinen Material-Mount Everest in seine Bestandteile zu zerlegen:

Notiere die Begriffe, die Dir zentral erscheinen auf Klebezetteln. Dann sortierst Du diese Zettel auf einem großen Blatt Papier oder Pappe. Stelle hierarchische Beziehungen her: Was hängt womit zusammen? Was ist ursächlich? Was ist Konsequenz? Gibt es Begriffe, die nicht so recht zu den übrigen Dingen passen? Am Schluss solltest Du Deine Begriffe in Clustern und auf unterschiedlichen Ebenen geordnet haben.

Du hast mit Sicherheit zu viel Material, zu viel, was Du sagen möchtest. Schreibe Dinge, die nicht ganz zentral sind, mit Absicht in Fußnoten oder bringe sie in Exkursen unter. Am Schluss entscheidest Du, ob Du genug Platz hast, diese Fragen in Deinem Text zu behalten oder ob Du sie für dieses Projekt ganz streichst. Du kannst sie ja dann im nächsten Buch unterbringen.

Grundstruktur in allem

Der Gliederungsdreiklang Einleitung – Mittelteil – Schluss bezieht sich im Übrigen nicht allein auf die Gesamtstruktur Deines Textes. Er hilft Dir auch dabei, Kapitel oder gar Absätze mit guter Leserführung anzulegen. Die Stimmigkeit Deines Textes kannst Du dann überprüfen, indem Du von jedem Absatz lediglich den ersten und den letzten Satz liest. Kannst Du der Argumentation Deines Textes immer noch folgen, ist Deine Gliederung vorbildlich. Allerdings darfst Du gelegentlich Überraschungen einbauen. Sonst könnte das Ganze zu eintönig werden.

Mit einem Packen Klebezettel kannst Du also Dein Material bändigen und Deine zentrale Fragestellung durch Cluster visualisieren. Daraus ist Dein Mittelteil entstanden. Jetzt, da Du weißt, was Du gesagt hast, kannst Du den Schluss schreiben. Der fasst das Gesagte zusammen. Und dann schreibst Du als Letztes und voller Genuss die Einleitung. Hier kannst Du ein bisschen spielen, Andeutungen machen, um Deine Leser auf das einzustimmen, was da kommt. Wenn diese Grobstruktur steht, gehst Du an die Feinarbeit und überprüfst zum Beispiel den Dreiklang auch auf den unteren Gliederungsebenen Deines Textes.

Viel Spaß beim Schreiben!


Möchtest Du mehr über den angemessenen Stil Deines Textes erfahren? Dann lies mein Buch „Schreib Dich an die Spitze!

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