Wie lassen sich die Leitlinien für interkulturelle Führung, die Bernd Scharbert in „Prepare for Landing: Leitlinien für interkulturelle Führung. Wie Sie global verteilte Teams erfolgreich steuern“ entwickelt, in der Praxis nutzen? Wobei helfen Sie im Arbeitsalltag, wie können sie für das interkulturelle Training genutzt werden? Dazu haben wir ein Interview mit Trainerin Anna C. Seidel geführt.
Liebe Anna Seidel, vor kurzem ist bei Budrich Inspirited Bernd Scharberts Buch „Prepare for Landing: Leitlinien für interkulturelle Führung“ erschienen. Wie sind Sie auf das Buch aufmerksam geworden?
Herr Scharbert und ich sind seit einiger Zeit über LinkedIn in Kontakt – insbesondere ein Posting zu seiner Harvard-Krawatte hat meine Aufmerksamkeit gewonnen und zu einem regen Austausch über Symbole, Trends und Interkulturalität geführt.
Ich hatte 2025 das Vergnügen ihn beim SIETAR (Society for Intercultural Education, Training and Research) Deutschland Forum in Erfurt persönlich zu treffen, als er die Leitlinien vorgestellt hat.
Sie sind Mitarbeiterin einer Trainingsagentur im Bereich Business Development und dort regelmäßig im Austausch mit globalen Unternehmen. Gleichzeitig arbeiten Sie selbstständig als Trainerin. Wobei kann Ihnen der Ansatz von Bernd Scharbert helfen?
Die Leitlinien sind sehr praktisch und von vielen Handlungsoptionen begleitet beschrieben. Das Beste daran: sie sind sofort umsetzbar.
Gleichzeitig sind sie aus langjähriger beruflicher Erfahrung in vielen Ländern gewachsen, was ihnen Validität verleiht. Die persönlichen Anekdoten und Geschichten dazu sind unterhaltsam beschrieben und – Bonus für Trainer:innen! – könnten sogar direkt als Critical Incidents im Training eingebracht werden.
Aussagen wie die folgenden stärken unsere Mission als Agentur für interkulturelles Training und globalen Erfolg ganz besonders, weil die Ergebnisse unserer Arbeit schwer umittelbar messbar sind:
„Unternehmen, die ihre Führungskräfte gezielt in interkultureller Kompetenz schulen, werden von einem höheren Maß an Vertrauen, Zusammenarbeit und Innovationskraft profitieren.“
„…der Erfolg moderner Unternehmen [wird] immer stärker von ihrer Fähigkeit abhängen, Vielfalt zu nutzen und kulturelle Synergien zu erzeugen.“
Es ist sehr motivierend solche Statements von einer so erfahrenen globalen Führungskraft wie Dr. Scharbert zu lesen.
Was wollen Sie als erstes ausprobieren oder was haben Sie vielleicht sogar schon umgesetzt?
Oft werde ich gefragt, wie mit Sprache umgegangen werden soll. Dafür haben mir bisher als English-Muttersprachlerin ein wirkliches Verständnis und eine gute Antwort gefehlt. Trainer fokussieren gerne auf unterschiedliche Arten der Kommunikation (z.B. direkt/indirekt oder low/high Kontext). Das es manchmal „einfach“ um das Verstehen der Worte oder um den Ausdruck wichtiger Informationen in einer Fremdsprache geht ist eine gute Erinnerung gewesen. Ich habe Vorschläge aus dem Buch dazu schon an Teilnehmende weitergegeben!
Was sehen Sie als größte Herausforderung beim Führen von internationalen Teams – die möglicherweise über die ganze Welt verstreut sind?
Oberflächlich müssen praktische Themen adressiert werden – Umgang mit verschiedenen Zeitzonen, Sprachen, Handoffs, Rollen & Verantwortlichkeiten und Systemen.
Darunter liegen aber auch stark beeinflussende Faktoren wie unter anderem Normen und Werte der jeweiligen Führungsperson und den Landeskulturen, unbewusste Erwartungen an Kommunikation und Hierarchien, der Umgang mit Zeit und Erreichbarkeit.
Die Challenge liegt zuerst darin, diese Faktoren überhaupt wahrzunehmen. Dem folgt die weitere Herausforderung, sie mit Fingerspitzengefühl und Neugier herauszuarbeiten. Bernd Scharbert beschreibt viele Beispiele, wie er das gemacht hat. Lesen lohnt sich!
Was würden Sie aus Ihrer eigenen Erfahrung anderen raten, die in internationalen Teams arbeiten?
Neugier voran!
Neugier für die eigenen Werte, Normen, unbewusste Verhaltensweisen und Erwartungshaltungen, Neugier über andere und Reflexion für alles.
Dazu gehört auch, sich solides Wissen – über Anekdoten und persönliche Annahmen heraus – anzueignen und daraus Handlungsmaßnahmen für die eigene, individuelle Situation abzuleiten.
Die Bereitschaft diese immer wieder zu reflektieren, Feedback dazu einzuholen und anzupassen gehört in gleichem Maße zur erfolgreichen globalen Arbeit dazu.
Über Anna C. Seidel
Anna C. Seidel verantwortet Business Development bei der crossculture academy und begleitet internationale Unternehmen bei der Konzeption und Durchführung passgenauer interkultureller Trainings- und Entwicklungsprogramme für den internationalen Erfolg. Ihr Schwerpunkt liegt auf globaler Zusammenarbeit, Führung über Kulturen hinweg und nachhaltiger Integration in internationalen Teams. Weitere Informationen finden Sie unter www.crossculture-academy.com.
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Prepare for Landing: Leitlinien für interkulturelle Führung
Wie Sie global verteilte Teams erfolgreich steuern
von Bernd Scharbert

