Freiwillig unökonomisch?

Unternehmen wollen Brücken bauen zwischen ökologischem und ökonomischem HandelnAls Unternehmerin stolpere ich häufiger darüber, dass ökologisch vernünftiges Handeln nicht gleichzusetzen ist mit ökonomisch vernünftigem Handeln. Ich spreche nicht von Einschränkungen des Fleischkonsums oder einer Reduktion der gefahrenen Kilometer im eigenen PKW. Ich spreche zum Beispiel davon, deutlich teurere Produkte mit Umweltsiegel zu erwerben und von ebenfalls sehr kostspieliger umweltverträglicher Produktion.

„Bio“ muss man sich leisten können

Wie viel „bio“ ist in deinem Putzschrank – zu Hause? Im Büro? Ist dein Kaffee oder Tee fair gehandelt und bio? Wie steht es um die Büromöbel?

Häufig stelle ich beim Preisvergleich fest, dass die Biovariante nicht unbedingt die günstigste der angebotenen Varianten ist. Wenn ich nicht günstig einkaufe, belaste ich meine betriebswirtschaftliche Ergebnis-Rechnung mit höheren Kosten als notwendig. Handle ich damit ökonomisch rational?

Dieser Tage stand ich vor der Aufgabe, Möbel anzuschaffen, um neue Arbeitsplätze einzurichten. Bei den Preisen für nachhaltiges Mobiliar hat es mir die Sprache verschlagen. Dann recycle ich lieber und wähle gebrauchte Gegenstände. Für mein Büro funktioniert das: Wir haben weder Publikumsverkehr noch müssen wir irgendwen beeindrucken…

Und dann habe ich mich gefragt: Warum ist das eigentlich so? Warum sind die Dinge teuer, die unser Überleben als Menschheit am besten gewährleisten und am längsten unterstützen können?

Entweder ökonomisch oder ökologisch?

Für uns Unternehmer*innen bedeutet dies letztlich, dass wir die Wahl haben, entweder ökologisch oder ökonomisch zu handeln. Wir haben die Möglichkeit, unser Geschäftsmodell anders auszurichten: Ein Verkaufen über den (günstigsten) Preis ist vollkommen ausgeschlossen. Qualität – nämlich bio, nachhaltig, sozial, was auch immer dies konkret für unseren jeweiligen Business-Bereich heißen mag – ist dann das ausschlaggebende Gut.

Für viele Unternehmen und Selbstständige ist dies möglich zumindest in Maßen. Für Unternehmen, die auf billig-billig setzen, dürfte dies sehr schwierig werden.

Wie wäre es, wenn die Umweltlasten, die ein Produkt bewirkt – in Produktion und/oder Entsorgung – realistisch mit eingepreist würden? CO2-Steuer ist ja nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, den der Gesetzgeber derzeit geht. Klar ist: Wir brauchen mehr davon!

Viele Geschäftsmodelle – und auch das muss uns klar sein – werden dann nicht mehr funktionieren können. Unternehmen, die sich auf die Produktion von Wegwerf-Produkten (allein der Name!) aus Plastik konzentrieren, müssen ihr Geschäftsmodell umbauen. Essbare Teller und Tassen gibt es ja bereits; essbare Feuerzeuge dürften hingegen schwierig werden.

Wir sind im Dazwischen …

Noch sind umwelt- und ressourcenschonende Produktion kein allgegenwärtiger Standard. Ob unsere Kund*innen bereit sein werden, heute freiwillig die notwendig höheren Preise zu zahlen? Die Gesetzgebung ist gefordert, um ökologisches Handeln zu ökonomischem Handeln machen zu können. Und bis es so weit ist, sind wir Unternehmer*innen und Selbstständige gefragt, diese beiden noch gegensätzlichen Welten bestmöglich zu vereinen. Die SDG der Vereinten Nationen können dabei als Leitlinien orientieren.

 

 

 

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