Coach als Traumberuf?

Brigitte Wolter: Ich will Coach werden
Brigitte Wolter – Autorin des Buches „Ich will Coach werden“

Daran erkennt man sie: Stilsicher und seriös

Am Anfang eines Coaching-Prozesses steht das sogenannte Erstgespräch. Es bildet die Grundlage für eine gedeihliche Zusammenarbeit zwischen Coach und Klienten bzw. zwi­schen Coach und Auftraggeber. Dabei führt ein professi­oneller Coach gemäß Drehbuch Regie, lässt aber so viel Spielraum, dass er die Abfolge der zu besprechenden Punkte flexibel variieren kann.

Das Erstgespräch ist eine anspruchsvolle Coaching-Technik, die erlernt und trainiert werden muss. Es dient dem Kennenlernen und dem Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung.

Zum Erstgespräch gehört, dass der Coach seine Arbeitswei­se erläutert, sich von manipulativen Techniken distanziert, ideologische Unabhängigkeit bekundet, Verschwiegenheit zusichert und die Erwartungshaltungen aller Beteiligten klärt. Er macht keine Erfolgsversprechen und − unverzicht­bar bei Auftragscoaching − weist darauf hin, dass die Inhalte des Coachings vertraulich bleiben.

Die Ergebnisse des Erstgesprächs hält der Coach schrift­lich in einem Vertrag fest. Dieser Vertrag beinhaltet alle for­malen Aspekte wie zum Beispiel Umfang, Dauer und Ort des Coachings, Honorar und Zahlungsweise, Kündigungs­modalitäten und eine Klausel zur Vertraulichkeit.

Mindestens genauso bedeutsam sind neben den forma­len die psychologischen Aspekte der Arbeitsbeziehung. Da­mit ist gemeint, dass Coach und Klient sich vertrauensvoll auf das Coaching einlassen, die Rollen im Coaching-Prozess klären und der Klient darüber informiert ist, welchen Beitrag er zur Zielerreichung bzw. zum Erfolg des Prozesses zu leisten hat und welcher Beitrag vom Coach zu erwarten ist.

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Um als Coach zu wirken, bedarf es nicht nur exzellenter kommunikativer, sondern auch psychologischer Kompeten­zen. Coaching ist demnach eine anspruchsvolle Tätigkeit, die eine fundierte Ausbildung und kontinuierliche Weiter­bildung erfordert. Zudem lassen sich professionelle Coaches supervidieren, das heißt, sie reflektieren ihre Fälle mit an­deren Experten, um durch deren Impulse immer besser zu werden. Auch das ist ein Zeichen von Meisterschaft.

So erlebt man sie: Echt und einfühlsam

Es versteht sich von selbst, dass ein Coach in der Lage sein muss, sich in andere hineinzuversetzen. Zu Beginn oder wäh­rend des Coachings offenbaren Klienten oft persönliche As­pekte und zeigen dabei Gefühle. Ein einfühlsamer Coach weiß damit umzugehen. Er hat keine Angst davor, dass Klienten ihrem Ärger Luft machen oder Tränen vergießen. Er kann mit der gebotenen Distanz und der notwendigen Nähe darauf ein­gehen, Verständnis zeigen und Gefühle als wertvolle Informa­tionen für den Entwicklungsprozess deuten und akzeptieren.

Keine Angst vor Tränen, auch nicht vor den eigenen.

Ein Klient wird sich nur dann so weit öffnen und Gefühle zu­lassen, wenn er dem Coach vertraut und ihn als eine integre Persönlichkeit erlebt, die authentisch ist und sich nicht hin­ter einer Fassade versteckt, sondern ihm gegenüber offen und ehrlich auftritt. Diese Grundhaltung hat auch der Psycholo­ge Carl R. Rogers als eine der elementaren Voraussetzungen für den erfolgreichen Verlauf einer Therapie angesehen (Ro­gers 2012, S. 309). Weitere unabdingbare Grundhaltungen sind nach Rogers Wertschätzung und Empathie. Diese für die Gesprächstherapie wichtigen Grundhaltungen des The­rapeuten lassen sich eins zu eins auf das Coaching bzw. auf den Coach übertragen.

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Ihr Engagement: Wie viel Zeit, Geld und Energie wollen Sie in die Ausbildung investieren?

Wie schon gesagt, für eine Ausbildung ist mindestens die Dauer von einem Jahr einzuplanen. Dabei haben Sie die Wahl zwischen Ausbildungen, die wochentags oder am Wochenende in zwei- bis dreitägigem Blockunterricht statt­finden. Je nach Format sind entsprechende Urlaubstage zu berücksichtigen. Bei Wochenendformaten ist es ratsam, den Montag frei zu nehmen, um Kraft zu schöpfen und um das Erlebte „sacken“ zu lassen. Meiner Erfahrung nach unterschätzen die meisten Teilnehmer den physischen und psychischen Kraftaufwand für die Ausbildung. Verantwor­tungsbewusste Ausbilder setzen für die Teilnahme an der Ausbildung körperliche und seelische Gesundheit voraus, die gegebenenfalls durch ein Attest vom Arzt oder Therapeuten nachzuweisen ist.

Zwischen den Modulen des Präsenzunterrichtes ist noch Zeit einzuplanen für Hausarbeiten, Literaturstudium, und eventuelle Treffen mit Peergroups zur Einübung der Coa­ching-Techniken.

Fehlzeiten wegen privater Termine wie Geburtstage und Urlaub sind möglichst zu vermeiden. Ansonsten kann es passieren, dass Sie die erforderliche Präsenzpflicht nicht er­füllen und nicht zur Prüfung zugelassen werden oder kein Abschlusszertifikat erhalten.


Aus: Brigitte Wolter: Ich will Coach werden. Von der Idee zum Traumberuf – Wie Sie sich qualifizieren und die Grundlage für eine erfolgreiche Coaching-Praxis legen, S. 54, 59, 79.

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