Was dein Unternehmen wirklich braucht – und was nur Geld kostet

Immer wenn ich gefragt werde, womit ich zu Beginn meiner Reise als Unternehmerin die größten Schwierigkeiten hatte, sage ich: Führung und Finanzen. Zum Thema Führung habe ich zum Beispiel den Blogpost „Kleines Team, großer Erfolg“ geschrieben; heute soll es um den Bereich der Finanzen gehen. Ich habe auch schon häufiger über meinen Finanz-Weg berichtet, der mich vom Ignorieren der Zahlen, über Ratlosigkeit letztlich zur Expertise geführt hat; du findest dazu z.B. meinen Post „In fünf Schritten zum nachhaltigen Wirtschaften im Verlag“ und mein Interview mit Judith Schröer in meiner Rolle als Vorbildunternehmerin.

Nachdem ich gelernt hatte, meine Zahlen anzuschauen, konnte ich sie in einem zweiten Schritt beginnen zu verstehen. Und während ich immer darauf fokussiert war, über Marketing und Vertrieb die Umsätze zu erhöhen, habe ich gelernt, auf die Marge zu schauen und so die Balance zwischen Kosten und Umsätzen zu erzielen. Ohne diese Balance funktioniert kein Unternehmen – denn letztlich braucht es Gewinn, also die (positive!) Differenz aus Kosten und Erlösen.

Kosten können sehr unterschiedlich daherkommen und zumeist wissen wir genau, wie wir sie rechtfertigen können. Wir „brauchen“ die Dinge und nennen sie gern „Investitionen“. Und häufig vergessen wir, wie sehr auch unsere Zeit ein wichtiger „Kostenpunkt“ ist, der in jede reelle Kalkulation mit eingehen müsste.

Ein digital-affiner Bekannter von mir versenkte viele Arbeitsstunden in die Optimierung seiner Webseite – kaum war sie fertig, gefiel sie ihm nicht mehr und er begann einen Relaunch. Ein alter Freund von mir hat sein Logo von einem Grafiker entwerfen und sehr schicke Visitenkarten drucken lassen. Eine andere Selbstständige hat sich sehr früh in ihrer unternehmerischen Laufbahn einen Markenanwalt gesucht, der ihren Firmennamen eingetragen hat. Und noch ein anderer hat sehr viel Geld in seine gesamte Büroausstattung gesteckt.

All dies sind Kosten, die in jedem Unternehmen anfallen können: Webauftritt, Firmeneintrag, Firmenlogo und Werbemittel sowie die Ausstattung des eigenen Büros. Ich kenne bis heute genügend Unternehmer:innen, die dazu sagen: „Das sind ja Ausgaben der Firma, die kann ich von der Steuer absetzen.“ Klar, kannst du. Aber wenn du das machst, schmälerst du dein Ergebnis. Denn diese Kosten erhöhen nicht per se deine Sichtbarkeit, deinen Umsatz oder verbessern deine Positionierung. Erst einmal erhöhen sie die Kosten und senken so deinen Gewinn. (Und die Sache mit dem „Von-der-Steuer-Abziehen“ ist ja die, dass du erst einmal Steuern zahlen musst, bevor du etwas abziehen kannst. Und das funktioniert dann so: Du gibst dem Finanzamt 100 Euro und das Finanzamt gibt dir 50 bis 70 Euro wieder – je nach Steuersatz… Also: Ja, der Staat „gibt dir Geld dazu“ – aber es ist bzw. war dein eigenes Geld!)

Meine oben aufgeführten Unternehmerfreund:innen waren der Meinung, dass sie diese Dinge tun müssten bzw. „brauchen“, um ihr Unternehmen korrekt zu positionieren, Kund:innen anzuziehen und zu beeindrucken und sahen diese Gelder als sinnvolle Ausgaben bzw. Investitionen an.

Der Unterscheid zwischen Ausgaben und Investitionen

Wir alle geben für unsere Unternehmen laufend Geld aus – ein Teil davon sind Investitionen, ein anderer Teil sind schlichte Ausgaben.

Lass uns kurz Begriffe klären und mit dem Begriff der Investition beginnen:

Eine Investition bedeutet laut Gabler Wirtschaftslexikon die langfristige Bindung finanzieller Mittel in materiellen oder in immateriellen Vermögensgegenständen. Weiter unten heißt es: „Mithilfe von Investitionsrechenverfahren werden die Auswirkungen der Investition auf die monetären Unternehmensziele (z.B. Rentabilität, Wertsteigerung) erfasst. Die Auswirkungen einer Investition auf die nicht monetären Ziele des Unternehmens (z.B. Marktanteilswachstum, soziale Ziele, Umweltziele) fließen ebenfalls in den Investitionsentscheidungsprozess ein, allerdings außerhalb der Investitionsrechnung.“

Mit anderen Worten: Wir geben Geld aus, um entweder unmittelbar mittel- bzw. langfristig mehr Geld wieder einzunehmen (die monetären Unternehmensziele) oder um uns langfristig in eine Position zu bringen, die uns befähigt, unsere Einnahmen zu stärken (andere Ziele). Um zu prüfen, wie sich das für uns darstellt, gibt es die sog. Investitionsrechnung (die komplexe, auf Großunternehmen ausgerichtete Variante findest du ebenfalls unter obigem Link). Für kleinere Unternehmen können wir das kürzer fassen: „Was kostet’s, was kann’s, was bringt’s?“

Um in der Praxis zu bleiben und nicht in die Details der Betriebswirtschaftslehre einzutauchen, befassen wir uns darüber hinaus mit den Herstellkosten – also alle Kosten, die im Rahmen der Produktion anfallen und sich direkt auf ein Produkt oder eine Dienstleistung beziehen – und Betriebsausgaben, die als Fixkosten (wie Miete, Versicherung usw.) auftreten können oder auch als variable Ausgaben – zum Beispiel in Form von allgemeineren Kosten für Marketing bzw. Vertrieb – aufkommen oder auch als Werbegeschenke, Reisekosten und Ähnliches auftreten können.

Wir haben also drei unterschiedliche Kostenarten, eine davon nochmal unterteilt, die wir betrachten können, um unsere Marge zu pflegen und zu schützen.

Kosten Erläuterung Beispiel
Investition Der Hebel: Durch Investitionen können wir unser Ergebnis verbessern. Neue Software, durch die meine Effizienz und/oder Effektivität gesteigert wird.
Herstellkosten Notwendige Basis, um Produkte herzustellen und Dienstleistungen zu erbringen. Kosten für einen Freelancer, der für mich Aufträge abarbeitet.
Betriebskosten – fix Notwendige Basis, um den Betrieb am Laufen zu halten – regelmäßig wiederkehrende Ausgaben. Personalkosten, Miete, Versicherungen usw.
Betriebskosten – variabel Notwendige Basis, um den Betrieb am Laufen zu halten – unterliegt Schwankungen. Werbegeschenke, Reisekosten, Marketingkampagnen usw.

 

Investition – Was kostet’s, was kann’s, was bringt’s?

Lass uns also heute besonders auf Investitionen schauen: Sie sollen einen Hebel bieten für Wachstum – sei es, dass deine Marge wächst oder dein gesamtes Unternehmen. Lass uns die Dinge anschauen, die meine Unternehmer:innenfreunde gemacht haben und lass uns schauen, ob all dies Investitionen waren. Ob es wirklich notwendige Investitionen waren, die sich wirklich gelohnt haben – das kommt dann auf den jeweiligen Unternehmenskontext an.

Sind die herausragende Webseite und das tolle Firmenlogo eine Investition?

Heute können wir mit KI innerhalb weniger Minuten eine Basis-Webseite oder ein Firmenlogo erstellen. Zudem gibt es Werbeanbieter, die kostenlose Webseiten anbieten, oder kostenlose WordPress-Templates, mit denen wir ebenfalls rasch und einfach Webseiten aufsetzen können. Und viele Grafik-Tools mit denen wir zügig etwas basteln können. Mit dem Ergebnis bekommen wir keinen Red-Dot- oder sonstigen Award, aber je nach Branche reicht ein solcher Auftritt fürs Erste. Natürlich können wir auch eine Agentur mit der Erstellung und Pflege der Webseite und dem Logo-Entwurf beauftragen oder – wie mein Freund – viel Zeit damit verbringen, die Webseite tagtäglich zu verbessern.

Im ersten Schritt der Investitionsanalyse fragen wir uns:

Was kostet’s? Es geht von kostenlos bis mehrere Tausend Euro. Um bewerten zu können, ob es das wert ist, fragen wir uns:

Was kann’s?

Und da geht die Schere unter Umständen weit auseinander: Die mit KI, durch ein Werbeunternehmen oder uns mit WordPress rasch erstellte Webseite ist im Zweifel sehr begrenzt. Sie kann uns darstellen, bietet einen Blog und eine Kontaktmöglichkeit – und das reicht für die meisten Unternehmen, und zwar nicht nur für den Start! Für dein Firmenlogo gilt im Grunde genommen das Gleiche.

Die von einer Agentur oder mir selbst als Expertin liebevoll gepflegte Webseite kann unter Umständen mehr – zum Beispiel SEO/GEO (Search Engine bzw. Generative Engine Optimierung), ausgeklügelte interaktive Elemente, den ganz besonders künstlerischen Auftritt usw. Ähnlich verhält es sich mit dem Firmen-Logo: Es „kann“ natürlich nicht mehr als ein von dir selbst gestaltetes Logo. Und ein Profi erkennt, ob ein Profi am Werk war.

Daran schließt sich die letzte Frage: Was bringt’s?

Eine Webseite mit dem Logo der Werbefirma passt vielleicht nicht zu deinen Vorstellungen eines professionellen Auftritts, eine KI-generierte Seite sieht dir vielleicht zu uniform aus. Doch eine WordPress-Variante mit einem von dir ausgewählten, passenden Theme, das nichts oder wenig kostet, dürfte für die meisten Unternehmen vollkommen ausreichen – die Agentur-Variante bringt dir vermutlich keinen erkennbaren Vorteil. Analog sehe ich es bei deinem Firmenlogo. Es sei denn, du trittst als Avantgarde-Künstler:in, als Web- oder sonstige:r Gestaltungsexpert:in auf oder brauchst aus ähnlichen, in deinem Unternehmen und Geschäftsmodell begründeten Anforderungen heraus eine außergewöhnlich tolle Webseite bzw. ein professionelles Logo.

Ist der Markenanwalt eine Investition?

Wenn du als GmbH oder AG deine Unternehmenslaufbahn beginnst oder die Idee hast, in der Liga der ganz Großen mitzuspielen, kannst du dein Unternehmen sofort ins Markenregister eintragen lassen – für Deutschland, für Europa und darüber hinaus. Als GbR bzw. wenn dein Name der Firmenname ist, dann fragen wir uns wieder:

Was kostet’s? Ab 300 Euro für eine Eintragung für Deutschland plus Anwaltskosten.

Was kann’s? Du kannst anderen Leuten untersagen, den Namen deines Unternehmens zu nutzen.

Was bringt’s? Du kannst verhindern, dass andere sich durch die Nutzung deines Namens einen Vorteil verschaffen.

Für ein kleines Unternehmen, das auf deinen Namen läuft, ist nach meiner Einschätzung eine Eintragung rausgeschmissen Geld. Wenn du es für notwendig erachtest, mach!

Ist die Büroausstattung eine Investition?

Ich fange mal einen Schritt vorher an: Brauchst du überhaupt ein eigenes Büro? Im Zusammenspiel von KI und den Möglichkeiten des Internets brauchen die Wenigsten von uns heutzutage ein eigenes Büro. Selbst mittlere Dienstleistungsunternehmen arbeiten immer häufiger dezentral, oft genug über Länder oder gar Kontinente verteilt, mit seltenen Treffen des gesamten Teams.

Es kommt also auf dein Geschäftsmodell an, ob du eigene Büroräume benötigst oder nicht. Und dann hängt es nochmal davon ab, ob die benötigten Büroräume ausschließlich von dir und deinem Team zum Arbeiten genutzt werden oder ob du (Lauf)Kundschaft hast, die du in irgendeiner Form beeindrucken möchtest. Dementsprechend fragen wir uns:

Was kostet’s? Du kannst beim Sperrmüll bzw. auf eBay bzw. bei „Kostenlos abzugeben“-Seiten schauen oder in exklusiven Büromöbel-Ausstattungskatalogen. Je nachdem kostet ein Arbeitsplatz mit Meeting-Ecke oder Konferenzraum (ohne notwendige Technik – aber die brauchst du auch ohne Büro) nichts bis hin zu mehreren Tausend Euro.

Was kann’s? Du kannst je nachdem eine exklusive Arbeitsumgebung anbieten und Besucher:innen mit deiner tollen Ausstattung beeindrucken.

Was bringt’s? Wenn deine Kundschaft im Luxussegment angesiedelt ist, bzw. deine Unternehmenspositionierung „Luxus“ suggeriert, dann brauchst du zumindest Orte, an denen du auf diese Art beeindrucken kannst. Brauchst du dafür eigene Räumlichkeiten? Oder reichen entsprechende Restaurants oder ähnliche Lokalitäten bzw. Anbieter von Büro-Räumlichkeiten der gehobenen Klasse zum jeweiligen konkreten Termin? Das entscheidest du freilich selbst.

Fazit: Investition oder „rausgeschmissen Geld“ ist eine Frage des Geschäftsmodells und deiner Einstellung

Anhang der Beispiele wird klar, dass du als Basis für deinen wirtschaftlichen Erfolg manch eine Ausgabe unbedingt tätigen solltest – und andere nicht unbedingt benötigst. Wenn ich von Second-Hand-Möbeln spreche, finden viele Unternehmer:innen diese Idee auch aus ökologischen Gründen gut. Die Möbel müssen nicht völlig abgewetzt und kaputt sein, oft genug sehen sie fast aus wie neu und du kannst dein Büro schön einrichten, Geld sparen und gute Dinge davor bewahren, auf dem Müll zu landen. Für andere ist es undenkbar, so vorzugehen. Es schüttelt sie beinahe bei dem Gedanken, auf brandneue Markendinge zu verzichten. Du selbst weißt, an welchem Ende dieser Skala du angesiedelt bist und was für dein Unternehmen und Geschäftsmodell am besten passt.

Stell dir aber vor jeder Anschaffung die klare Frage, ob du das, was du im Begriff bist zu kaufen, wirklich brauchst – im Sinne der Wirtschaftlichkeit und im Interesse deiner Kundschaft. Wenn du deine Marge pflegen und stärken möchtest, darfst du zweimal hinschauen und mindestens eine Nacht darüber schlafen, bevor du Geld in die Hand nimmst.

 

Beitragsbild von Shopify Partners

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert