„Es gibt zwar viele Bücher über Künstliche Intelligenz – aber kaum welche, die auf die Sozialwirtschaft eingehen.“ – Interview mit Iulia Alexandra Aron und Katharina Michalik

Cover Sozialunternehmen im Zeitalter von KI. Die Potenziale mit agiler Führung und systemischem Qualitätsmanagement nutzenWie können Sozialunternehmen in einer von Künstlicher Intelligenz, Komplexität und dynamischen Veränderungen geprägten Arbeitswelt lernfähig, flexibel und verantwortungsvoll gestaltet werden? Darum geht es in der Publikation „Sozialunternehmen im Zeitalter von KI. Die Potenziale mit agiler Führung und systemischem Qualitätsmanagement nutzen“ von Iulia Alexandra Aron und Katharina Michalik.

Das praxisnahe Buch bringt agile Führung, systemische Organisationsberatung und systemisches Qualitätsmanagement zu einem integrativen Ansatz für Führungskräfte zusammen. Hier stehen die Autorinnen im Interview Frage und Antwort zu ihrer Publikation. 

Liebe Iulia Alexandra Aron, liebe Katharina Michalik, worum geht es in Ihrem Buch „Sozialunternehmen im Zeitalter von KI. Die Potenziale mit agiler Führung und systemischem Qualitätsmanagement nutzen“?

Aron: Die Sozialwirtschaft steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Künstliche Intelligenz hält zunehmend Einzug in den Arbeitsalltag, gleichzeitig steigen die Anforderungen an Qualität, Fachlichkeit und Wirtschaftlichkeit. Genau hier setzt unser Buch an. Uns war wichtig zu zeigen, dass KI kein Ersatz für professionelle Soziale Arbeit ist, sondern ein Werkzeug, das Fachkräfte entlasten und Organisationen stärken kann. Entscheidend ist jedoch, wie diese Technologien eingeführt werden. Deshalb verbinden wir das Thema KI mit agiler Führung und systemischem Qualitätsmanagement. Aus unserer Sicht können Sozialunternehmen nur dann nachhaltig erfolgreich sein, wenn technologische Innovationen, Führungskultur und Organisationsentwicklung gemeinsam gedacht werden.

Michalik: Entscheidend ist ein verantwortungsvoller Umgang mit KI. Die künstliche Intelligenz prägt zunehmend unsere Arbeitswelt, dennoch birgt sie neben großen Potenzialen auch Gefahren – unter anderem in Hinblick auf den Datenschutz, verschiedene Diskriminierungsformen und Falschinformationen. Diesen neuen Herausforderungen, insbesondere in der Sozialwirtschaft, begegnen wir in unserem Buch mit einem integrativen Ansatz.

 

Als Sie sich entschlossen haben, dieses Buch zu publizieren: Welche Gedanken sind Ihnen durch den Kopf gegangen?

Michalik: Es war mir seit einiger Zeit ein großes Anliegen, mein Wissen über das Potenzial der agilen Führung und der damit verbundenen Arbeitsformen aber auch über den Einsatz von KI insbesondere in Sozialunternehmen weiterzugeben. Daraus hat sich organisch der Wunsch nach einer Veröffentlichung entwickelt. Im Masterstudiengang Systemische Beratung, in dem ich auch Frau Aron kennengelernt hatte, begann ich den wissenschaftlichen Schwerpunkt darauf zu setzen. Für unsere Gesellschaft und Demokratie empfinden wir es als enorm wichtig, die Teilhabe von benachteiligten Menschen zu sichern. Hierbei kommt der Sozialen Arbeit aus unserer Sicht die große Verantwortung zu, für gute Arbeitsbedingungen zu sorgen und Teilhabemöglichkeiten zu sichern. Ich hatte das große Glück, mit agiler Führung und innovativen Arbeitsformen in der Sozialwirtschaft in Berührung gekommen zu sein. Dort waren Vertrauen, Mitgestaltung und Einbezug von Mitarbeiter*innen und Klient*innen selbstverständlich. In einigen Weiterbildungen und im Austausch mit Kolleg*innen habe ich festgestellt, dass es nicht überall so läuft. Dies hat meine Motivation genährt, mich vertiefter mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Aron: Die Idee vertiefte sich in vielen Gesprächen mit Kolleg*innen aus der Praxis. Immer wieder hörten wir Fragen wie: Welche Auswirkungen hat KI eigentlich auf unsere Arbeit? Müssen wir uns Sorgen machen? Oder verpassen wir gerade wichtige Entwicklungen?

Uns wurde schnell klar, dass es zwar viele Bücher über Künstliche Intelligenz gibt – aber kaum welche, die speziell auf die Sozialwirtschaft eingehen und gleichzeitig wissenschaftlich fundiert sowie praxisnah sind.

Natürlich hatten wir großen Respekt vor einem solchen Projekt. Ein Fachbuch zu schreiben bedeutet, Verantwortung zu übernehmen. Aussagen müssen sorgfältig recherchiert, wissenschaftlich begründet und gleichzeitig verständlich formuliert werden. Gerade weil sich KI so rasant entwickelt, war uns bewusst, dass wir keine Momentaufnahme schreiben wollten, sondern ein Buch mit langfristigem Nutzen.

Rückblickend war es eine intensive, aber unglaublich bereichernde Erfahrung.

 

Wie sind Sie zu Budrich Inspirited gekommen? Warum haben Sie sich für die Zusammenarbeit mit uns entschieden?

Michalik: Wir haben uns intensiv mit verschiedenen wissenschaftlichen Verlagen beschäftigt. Bei Barbara Budrich Inspirited hatten wir jedoch von Anfang an das Gefühl, dass unser Thema den richtigen Platz findet.

Aron: Besonders überzeugt hat uns die Verbindung von wissenschaftlicher Qualität und Praxisorientierung. Genau das möchten wir mit unserem Buch ebenfalls erreichen: fundierte Inhalte, die nicht nur gelesen, sondern im Berufsalltag tatsächlich genutzt werden können.

Michalik: Unabhängig davon war uns der Barbara Budrich Verlag bereits durch verschiedene Publikationen bekannt. Der Verlag hat aus unserer Sicht eine gute Haltung und setzt sich auch für eine vielseitige und kritische Fachliteratur ein, die dort publiziert wird.

 

Was war Ihre größte Herausforderung auf dem Weg zum fertigen Buch?

Michalik: Definitiv die Dynamik des Themas.

Während wir einzelne Kapitel geschrieben haben, erschienen bereits neue KI-Modelle, neue rechtliche Entwicklungen und neue Einsatzmöglichkeiten. Das bedeutete immer wieder, Inhalte zu überarbeiten oder neu zu bewerten.

Deshalb haben wir uns bewusst dafür entschieden, nicht einzelne Programme oder kurzfristige Trends in den Mittelpunkt zu stellen. Unser Ziel war es vielmehr, Prinzipien zu beschreiben, die auch in einigen Jahren noch Orientierung bieten.

Aron: Eine weitere Herausforderung war es, Wissenschaft und Praxis miteinander zu verbinden. Wir wollten weder ein rein theoretisches Fachbuch noch einen Praxisratgeber schreiben. Stattdessen sollte beides zusammenkommen.

Natürlich gab es auch Momente, in denen wir uns gefragt haben, ob wir uns nicht etwas viel vorgenommen hatten. Neben unseren Berufen, weiteren Projekten und ehrenamtlichem Engagement ein Fachbuch zu schreiben, verlangt Disziplin. Gleichzeitig hat uns gerade die Zusammenarbeit motiviert. Wir konnten unsere unterschiedlichen Erfahrungen und Perspektiven zusammenbringen und haben dadurch selbst unglaublich viel gelernt.

 

Wem empfehlen Sie die Lektüre Ihres Buches und warum?

Aron: Unser Buch richtet sich an alle Menschen, die soziale Organisationen aktiv gestalten möchten.

Dazu gehören Führungskräfte, Qualitätsmanager*innen, Organisationsentwickler*innen, Projektverantwortliche sowie Fachkräfte aus allen Bereichen der Sozialwirtschaft. Ebenso möchten wir Studierende und Lehrende ansprechen, die sich mit Digitalisierung, Organisationsentwicklung oder moderner Führung beschäftigen.

Michalik: Besonders freuen würden wir uns, wenn das Buch Diskussionen anstößt. Denn unser Anspruch ist nicht, fertige Antworten zu liefern. Vielmehr möchten wir Organisationen dabei unterstützen, die richtigen Fragen zu stellen und ihren eigenen Weg im Umgang mit neuen Arbeitsformen, Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz zu entwickeln.

 

Über die Autorinnen

Portrait Katharina MichalikKatharina Michalik: Systemische Beraterin, Organisationsberaterin (M. A) und Sozialarbeiterin (B. A).

Ich bringe langjährige und vielseitige Erfahrungen im sozialen Bereich insbesondere in Beratung & Coaching, Führung, Organisationsentwicklung, Case- und Projektmanagement mit. Meine Vision: ich setze leidenschaftlich gerne Impulse für eine inspirierende Zusammenarbeit, die für mich idealerweise geprägt ist von Vertrauen, kritischer Diskussionsfreude und Entwicklung. In Zeiten, in denen auch im Sozialen die Sparmaßnahmen ausgerufen werden, ist es dringend notwendig, eine kritische Haltung zu bewahren, neue Konzepte anzudenken und Teilhabe auch in den sozialen Organisationen auf allen Ebenen einzuführen. Dabei sehe ich die Künstliche Intelligenz als ein Werkzeug, das in manchen Bereichen Unterstützung geben kann, jedoch stets auf der Basis von fundierter Fachlichkeit sowie ethischer und kritischer Sensibilität von Mitarbeiter*innen ausgerichtet werden sollte.

 

Porträt Iulia Alexandra AronIulia Alexandra Aron: Sozialarbeiterin (B. A.) und systemische Beraterin (M. A.)

Ich verbinde wissenschaftliche Forschung mit umfangreicher Praxiserfahrung in der Sozialen Arbeit und der Projektentwicklung. Besonders beschäftigen mich die Fragen, wie Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und systemisches Denken Sozialunternehmen nachhaltig verändern können.

Gemeinsam möchten wir dazu beitragen, dass Innovation in der Sozialwirtschaft nicht als Bedrohung verstanden wird, sondern als Möglichkeit, Qualität, Zusammenarbeit und die Unterstützung von Menschen weiterzuentwickeln. Denn wir sind überzeugt: Die Zukunft sozialer Organisationen wird nicht allein durch Technologie entschieden, sondern durch die Menschen, die sie verantwortungsvoll gestalten.

 

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