Zum Sterben zu viel ….

Kleinunternehmer nach §19 UStG: Mein Rat #1 für die Selbstständigkeit auf kleinem Fuß

„Pass mal auf: Die Zahlen, mit denen Du in Deinem Buch „Geld kann jeder“ rechnest, sind absurd. Das, was Du da als monatliche Einnahmen zugrundelegst – das verdiene ich im Jahr!“ Mein Gesprächspartner war nicht sonderlich genervt. Nur irgendwie in sein Schicksal ergeben. Seine Frau hat ein konstantes – sicher nicht üppiges – Einkommen. Er verdient mit seiner Selbstständigkeit dazu. Und von mir wollte er wissen, ob ich „Geld kann jeder“ um ein kleines Kapitel ergänzen könne: Finanztipps für Kleinunternehmer nach der Kleinunternehmerregelung nach §19 Umsatzsteuergesetz, die keine Mehrwertsteuer an den Fiskus abführen müssen. Diese Wahlmöglichkeit besteht für Unternehmer bis zu einem Jahresumsatz von 17.500 Euro (Stand 1.6.2017).

Leider hat mein Gesprächspartner keinen großen Spaß an Zahlen. Die Buchhaltung findet sich – wie bei vielen Selbstständigen – im berühmten Schuhkarton. Die Sachbearbeiterin im Steuerbüro hat die Aufgabe, auf Termine und Steuern aufzupassen.

Zu welchen grundlegenden Finanzinstrumenten würde ich raten?

Mein erster Rat wäre:

Wenn Du von dem leben musst, was Du tust: Bleibe kein Kleinunternehmer nach §19 UStG!

Ja, ja, ich höre schon den Aufschrei: „Was soll ich denn machen?!“ „Mehr kann man in meinem Bereich nicht verdienen, wenn man …  (setze hier irgendetwas ein)!“ „Ich brauche nicht mehr Geld, warum sollte ich mich krumm machen?!“

Gut, fein. Du kannst machen, was Du möchtest! Mir ist das egal. Ich kann Dir aber sagen, warum ich Dir raten würde, größer zu denken. Und dazu müssen wir etwas tun, was Dir vermutlich nicht gefällt: Wir müssen rechnen.

Wir gehen mal die Posten durch, die in Deinem Leben und in Deinem im Unternehmer-Leben für gewöhnlich auf dem Zettel stehen.

Um Zahlen zu verstehen, hilft rechnen

Du bist darauf gedrillt, Dich ganz sparsam von ganz wenig Geld zu ernähren und kaufst Kleidung im Secondhandshop und auf dem Trödelmarkt (da gibt es tolle Sachen für wenig Geld!).  In Deutschland gilt 2017 für einen alleinstehenden Erwachsenen der Regelbedarf in Höhe von 409 Euro pro Monat. Das sind im Jahr 4.908 Euro. Sagen wir mal, Du kommst damit hin für Essen und Kleidung. Statt Urlaubsreisen stellst Du die Möbel um, die Du vom Sperrmüll besorgst, wenn Du zu einem Geburtstag gehst, bringst Du originelles Selbstgeklöppeltes mit.

In diesen 409 Euro pro Monat ist allerdings noch kein Geld für Miete und Nebenkosten enthalten. Sagen wir, Du wohnst nicht in München, brauchst weder viel Strom, noch Wasser und heizt nur, wenn das Thermometer unter -10 Grad sinkt … Das Sozialamt zahlt je nach Region rund 300 Euro plus Nebenkosten fürs Wohnen dazu. Lass uns also davon ausgehen: Du gibst pro Jahr nur rund 3.600 Euro fürs Wohnen aus.

KleinunternehmerregelungAls Selbstständiger kommt allerdings die  Krankenkasse noch obendrauf. In Deutschland besteht Krankenversicherungspflicht: Du kommst da nicht drum herum. Solltest Du die originelle Idee haben, dass Du so gesund bist, dass Du keine Krankenkasse brauchst, möchte ich Dich warnen: Früher oder später wird eine Krankenkasse auf Dich aufmerksam. Und wenn man dort feststellt, dass es Unregelmäßigkeiten bei Deinem Versicherungsverlauf gibt, wird es ungemütlich. Mir hat mal eine Fachfrau gesagt: „Vor dem Finanzamt braucht man keine Angst zu haben – im Vergleich …!“

Für Selbstständige gibt es in der Anfangszeit vergünstigte Tarife, doch schon nach relativ kurzer Zeit schlägt die Krankenkasse mit mindestens 300 Euro pro Monat zu Buche. Macht pro Jahr 3.600 Euro. Da ist aber noch kein Zahnersatz enthalten, Du musst viele Möhren essen, um keine Brille zu brauchen und auch sonst solltest Du Dir Deine Gesundheit besser nichts weiter kosten lassen.

Denn wir sind mit diesen drei Posten bereits bei einem Jahresbetrag von über 12.000 Euro. Bis zur Jahresumsatzgrenze von 17.500 Euro bleiben noch 5.500 Euro – weniger als 500 Euro pro Monat. Und Du hast keinen fahrbaren Untersatz, keinen Besuch bei Deinen Eltern. Ein romantisches Dinner sollte besser im Park stattfinden. In den 12.000 Euro sind viele Kosten nicht enthalten, die mit Deinem Unternehmen – abhängig von Deiner Tätigkeit – zu tun haben:  Büro, PC, Drucker, Telefon, Webseite, Werbung, Materialkosten, Lieferanten, Vertriebskosten, Steuerberater, Versicherungen, Netzwerk-, Kunden- und sonstige Veranstaltungen usw.

Und dann gibt es noch die Steuern. Auf die Einnahmen aus selbstständiger Tätigkeit bzw. Einnahmen aus Deinem Gewerbe darfst Du Einkommenssteuer abführen. Der Grundfreibetrag liegt aktuell bei rund 8.600 Euro.

Das bedeutet: Wenn Dein Unternehmen wirklich mit ganz wenig Geld auskommt – sagen wir 600 Euro pro Jahr  –, Du aber um die 17.500 Euro einnimmst, dann musst Du auch von diesen Einnahmen noch ordentlich Steuern zahlen.

Hast Du höhere Aufwendungen für Deine Selbstständigkeit, dann stehen die Chancen gut, dass Du noch weniger Geld zum Leben hast.

KleinunternehmerregelungIch denke, dass heute Vieles möglich ist: kostenlose Webseiten (mit Werbung des Anbieters), extrem preiswerte Infrastruktur (Telefon, Computer etc.), Arbeiten im öffentlichen Raum (in einem Café oder einer Bibliothek, dann brauchst Du kein eigenes Büro), webbasierte Werbung (mit Templates und ohne Druckkosten sparst Du so Einiges) und ein nahezu „unbemerkter“ Vertrieb durch Großanbieter ohne große Nebenkosten. Zudem ist es möglich, die eigene Buchführung inklusive Jahresabschluss und Steuererklärungen selbst zu machen.

Klar geht das alles. Auch wenn sich das für mich nicht sonderlich erstrebenswert anhört. Doch wir haben noch einen großen Kosten-Posten vergessen: Die Kosten für die  Zukunft.

Der Kleinbetrieb nach §19 UStG hat „keine Zukunft“

Die ersten Posten, die für gewöhnlich bei einem engen Budget hinten runterfallen, sind die Kosten für die Zukunft: Ein Notgroschen und der Vermögensaufbau bzw. die Altersvorsorge.

Nicht selten fällt es schwer bei knapper Finanzlage, Geld für die später fällig werdende Steuer zurückzulegen. In meinem Buch schildere ich, wie der eine oder die andere versucht, Steuern nachträglich zu senken bzw. zu umgehen. Ich kann das nicht empfehlen. Klug wirtschaften und dabei Steuern sparen – klar. Aber tricksen? Auf keinen Fall!

Die Steuer hat den Vorteil, dass sie bzw. das Finanzamt sich von allein meldet. Das Finanzamt sitzt nicht über Jahre und Jahrzehnte friedlich in der Ecke und zuckt mit den Achseln, falls von Dir kein Geld kommt. Es meldet sich mit spürbaren Forderungen.

Anders Dein Notgroschen und Deine Altersvorsorge. Kein nicht vorhandenes Finanzpolster schickt Dir Zahlungsaufforderungen und Mahnungen. Keine Altersvorsorge beschwert sich, weil Du sie ignorierst.

Auch wenn es Dir überhaupt nicht schmeckt: Du musst hier aktiv werden. Dringend!

Wenn Du Dich jetzt lächelnd zurücklehnst und sagst, dass Deine Frau ja Rente beziehen wird oder Dein Mann und dass Ihr besprochen habt, Euch das zu teilen, wäre es ungünstig, Deine oder Eure Zukunft darauf zu gründen.

Mein zweiter Rat wäre daher:  Lies einfach den nächsten Blog-Post

3 thoughts on “Zum Sterben zu viel ….

  1. Wenn Du die Kleinunternehmerregelung nach §19 UStG allerdings für ein Unternehmen einsetzt, das Du – aus welchen Gründen auch immer – in Teilzeit führst, ist dies aus meiner Perspektive nicht problematisch. Natürlich ist zu beachten, ob das Unternehmen in Deiner Branche dann „für voll“ genommen wird: Denn ungünstig wäre es, belächelt zu werden.
    Übrigens: Ein paar Tipps & Tools für die ganz grundlegenden (Klein)Unternehmen-Finanzdinge poste ich noch in der nächsten Zeit…

  2. Pingback: … für die Zukunft zu wenig | budrich Inspirited

  3. Pingback: Vom Finanz-Hasen zum Kapital-Hirsch | budrich Inspirited

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