Wie findest Du einen geeigneten Verlag?

Ein Buch zu schreiben ist viel Arbeit - und ein guter Verlag kann sinnvoll unterstützen

Ein Buch zu schreiben ist viel Arbeit – und ein guter Verlag kann sinnvoll unterstützen

Wenn Du Dich dazu entschlossen hast, Dein Buch in einem Verlag zu publizieren, musst Du Dich zunächst umschauen, welches Haus für Dein Projekt in Frage kommt.
Verlage pflegen bestimmte Themengebiete, die sie spezifischen Ziel­gruppen anbieten. Diese Programmpflege führt dazu, dass z. B. die Bü­cher, die Du zu einem Thema liest, oft aus nur wenigen Verlagshäusern stammen – achte einmal darauf.

Eine Trainerin stellt beispielsweise fest, dass die meiste Literatur, die sie für ihre eigene Arbeit verwendet, aus dem (fiktiven) M-Verlag stammt. Allerdings wird ihr klar, dass diese Literatur sich hauptsächlich an Trainer, Coaches, Beraterinnen richtet, nicht an die Frauen, mit denen sie arbeitet und für die sie ihr Buch schreibt. Sie schaut also erneut in die von ihr selbst ver­wendeten Materialien und ermittelt drei Bücher, die die gleiche Zielgrup­pe ansprechen wie ihr eigenes.

Eines der Bücher, aus dem V-Verlag, findet sie von eher mäßiger Qua­lität – es scheint rasch und lieblos heruntergeschrieben, mutet an wie eine „Bleiwüste“ – nur Text, keine Abbildungen, keine Unterstützung bei der Leserführung, wenige Überschriften – und wirkt daher nicht besonders professionell.

Das zweite Buch aus dem U-Verlag ist das genaue Gegenteil: Überaus professionell gestaltet, mit vielen Hochglanzfotos, großer, angenehm zu lesender Schrift und sehr professionell getextet. Leider ist der Inhalt auf Vorschul-Niveau verkürzt und generalisiert aufbereitet – letztlich doch nicht die Zielgruppe unserer Trainerin.

Das dritte Buch stammt aus dem B-Verlag. Hier sind zwar die Abbil­dungen nicht in Farbe, aber ansonsten stimmen Inhalt, Stil, Aufbereitung, Lesefreundlichkeit und das Angebot an weiterführenden Materialien.

Unsere Trainerin beschließt also, dass sie noch mehr recherchieren wird, um zu schauen, ob der B-Verlag weitere einschlägige Literatur im Programm führt. Außerdem recherchiert sie, ob es Alternativen gibt. Sie schaut also in einer großen Buchhandlung, welche Titel dort angeboten werden – und findet enttäuscht nur den G-Verlag mit einer wahren Ti­telflut an oberflächlichen hübsch-bunten Publikationen. Also doch wie­der: Internet. Sie sucht nun nach Büchern, die sie als ihre eigene Klientin suchen würde. Auf diesem Weg findet sie einen weiteren Verlag, den T-Verlag, der einige spannende Publikationen anbietet, und setzt diesen als zweiten auf ihre Liste der möglichen Kooperationspartner.

Ein Unternehmer-und-Sportler stellt zum Beispiel bei seiner Recherche für sein erstes Buch fest, dass es nur wenig Literatur in seinem Schnittfeld zwischen Unternehmen und Sport gibt. Er macht zwei Verlage ausfindig, die seine Zielgruppe anspre­chen – den Y- und den Z-Verlag – und setzt sie auf seine Liste. Da beide Verlagshäuser anspruchsvolle und ansprechende Publikationen im Pro­gramm listen und Veröffentlichungen wie auch Internetpräsenzen beider Häuser professionell wirken, beschließt er, seine Priorität erst zu setzen, wenn er mit den zuständigen Lektorinnen gesprochen hat.

Bücher - unverzichtbare Arbeitsinstrumente

Bücher – unverzichtbare Arbeitsinstrumente

Je nach Themenkreis stößt Du auf eine Vielzahl von Verlagen, die qua­litätsvolle Programmsegmente pflegen – und manchmal existiert gar kein Verlag, der in Deinem Bereich publiziert. Findest Du keinen Verlag, der ähnliche Publikationen im Programm führt wie Deine geplante, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder Du hast ein Themenfeld besetzt, in dem Du Pionier bist, und eine veritable Marktlücke erschlossen. Oder Du hast eine Lücke entdeckt, die darauf hinweist, dass sich niemand für diesen Bereich interessiert. Welche der beiden Situationen bei Dir genau vorliegt, musst Du selbst einschätzen, da Du in diesem Bereich tätig bist. Solltest Du selbst gerade neu in diesem Bereich anfangen, wäre vorsichtiges Aus­testen Deiner möglichen Angebote sicherlich sinnvoll, bevor Du Arbeit in das weitere Ausgestalten steckst.

Hast Du auf diesem Weg Deinen Favoriten gewählt, solltest Du den Verlag ansprechen, um sein Interesse an Deinem Projekt zu erfragen. Ein gu­ter Zeitpunkt, den Verlag zu kontaktieren ist übrigens, bevor Du die Arbeit an Deinem Manuskript ernsthaft aufgenommen hast: nach der Konzeptentwicklung, aber vor dem eigentlichen Schreiben. Du kannst Dich mit Deinem Plan an den Verlag wenden und dort mit dem Lektorat sprechen: Das Lektorat kann Dir wertvolle Hinweise geben, wie das Buch aufgezogen und ausgestaltet sein sollte. So kannst Du diese Dinge berücksichtigen und musst nicht das ganze Manuskript am Schluss noch einmal komplett neu schreiben, weil der Lektor noch einige ganz wichtige (und richtige) Veränderungen und Ergänzungen vorschlägt. Im weiteren Verlauf befassen wir uns damit, wie Du dem Verlag Dein Projekt am besten antragen kannst. Oben hatte ich bereits angedeutet: Verlag ist nicht gleich Verlag. Die absoluten Basics – ISBN, Listung in einschlägigen Vertriebsdatenbanken, Kooperation mit dem Buchhandel – dürften bei nahezu jedem Verlag gegeben sein. Was aber darüber hinaus an Leistungen für Dich verfügbar ist, solltest Du erfragen. Du kannst bei uns eine Verlags-Checkliste herunterladen und die von Dir favorisierten Verlage unter Zuhilfenahme dieses Leitfadens interviewen.

Aus: Barbara Budrich, Schreib Dich an die Spitze! Dein Buch für Deine Zielgruppe. Opladen & Toronto 2016

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.