Katrin Frische: Ich und Finanzintelligenz…

Viele Menschen stehen irgendwann einmal an dem Punkt, an dem sie sich Gedanken darüber machen müssen, wie sie einen größeren Geldbetrag anlegen. Geld, das aus einer Erbschaft herrührt, aus dem Verkauf einer Immobilie, der Auszahlung des nachehelichen Zugewinns (so wie bei mir), einer Versicherungsprämie oder oder. Die meisten Menschen überfordert das hoffnungslos (so wie mich).

In Zeiten, wo die Inflationsrate die Anlagezinsen übersteigt, muss sich wohl jeder nach Alternativen zum guten alten Festgeldkonto umschauen. Bei einem historisch niedrigen Zinsniveau von durchschnittlich 0,9 % kann man den bei der Bank liegenden Geldbeträgen, egal ob fest angelegt oder nicht, auf lange Sicht beim Schrumpfen zusehen. Insofern steht gewissermaßen jeder der oben genannten Begünstigten vor der Frage, wie er oder sie das Vermögen mindestens mal erhält bzw. idealerweise wachsen lässt.

Das ist keine leichte Aufgabe. Besonders wenn man (wie ich) keine Ahnung von Finanzen hat. Geld hat mich nie wirklich interessiert. Während meiner 15-jährigen Ehezeit hat sich mein Mann um finanzielle Angelegenheiten gekümmert. Er tat es gern – ich nicht. Rückblickend möchte ich sagen, dass ich mich aus einer Bequemlichkeit bzw. einer Weltanschauung heraus („Geld stinkt“) sogar bewusst dumm gestellt habe. Geld war etwas, worüber ich mir keine größeren Gedanken machen wollte. Entweder es war da oder eben auch nicht.

Bis ich 40 Jahre alt wurde und von heute auf morgen auf mich selbst gestellt war. Nach einer Übergangsfrist von vier Jahren (so lange floss der Unterhalt), bin nun schlussendlich ich allein für mein finanzielles Wohlergehen verantwortlich. Aus meinem Zugewinn stehen mir nun 80.000 Euro zur Verfügung. Eine Pfründe, mit der es gilt, mein Alter abzusichern und in meinen Lebensunterhalt zu buttern, so lange die berufliche Selbständigkeit noch nicht genug hierfür abwirft.

80.000 Euro also. Diese Summe schlummert seit einigen Monaten auf meinem Konto. Was fange ich damit an?

Ich hatte das Glück, jemanden kennen zu lernen, der sich mit dem Thema Finanzen auskennt. Und zwar wirklich auskennt. Steven Wilkinson, früher Vermögensverwalter, nun selbsternannter „Investment entrepreneur“ oder “Handwerker am Kapital”. Ihn fragte ich um Rat.

Wilkinson, ein bekennender Value-Investor, ist der Überzeugung, dass es jeder halbwegs intelligente Mensch mit der richtigen Einstellung, mit wachsamem Blick und der Bereitschaft, überkommene Glaubenssätze zu hinterfragen, es schaffen kann, finanziell unabhängig zu werden. Unabhängig in dem Sinne, dass die monatlichen Einnahmen, die man aus Vermögenswerten generiert, die festen monatlichen Ausgaben für Miete, Kredite, Kinder… übersteigen.

Aber wie schafft man das, so ganz aus dem Nichts? Ohne finanzielle Vorbildung, ohne juristisches und steuerrechtliches  Know-How, ohne wirklich große Vermögenswerte und ohne eine mathematische Leuchte zu sein?

Es ist ein Experiment. Oder sagen wir eine Expedition. Wie bei jeder Expedition ist der Ausgang offen. Und wie bei einer Expedition üblich, schwingt Unsicherheit mit und Angst zu versagen.

Ich stehe heute an einem Punkt, an dem ich dank einiger wichtiger Lektionen meines Mentors, vielen Gesprächen mit Menschen aus der Finanzbranche und der Lektüre einiger einschlägigen Bücher so einiges über die Finanzwelt und im speziellen über Investitionsmöglichkeiten erfahren habe.

In den letzten Tagen stelle ich mir immer wieder die Frage, wann der Zeitpunkt gekommen ist, um tatsächlich loszumarschieren. Denn ich beobachte mich dabei, wie ich langsam mit den Hufen scharre. Meine Unruhe wurde jüngst noch durch ein Zitat aus der Biografie von Waren Buffet befeuert: Das Buch, das Buffet dazu gebracht hatte, sein erstes Investment zu tätigen, hatte den Titel: „Wenn man anfangen will Geld zu verdienen, muss man damit anfangen!“

Aber wo finde ich solche guten Deals, von denen ich nun schon viel gehört und gelesen habe? Sie liegen ja schließlich nicht vor meiner Haustür. Nicht auf dem Weg zur Arbeit, nicht auf dem Schulhof oder im Supermarkt. Auch unwahrscheinlich, dass eines Tages das Telefon bei mir klingelt und mir jemand auf diesem Weg einen guten Deal vorschlägt. Aber selbst wenn das so wäre: Hätte ich schon genug Wissen, genug Know-how und damit genug Sicherheit, um entscheiden zu können, ob es eine gute Investition wäre? Von Robert Kiyosaki über Benjamin Graham bis hin zu Buffet empfehlen alle Value-Investoren, dass man erst mal Experte werden muss, indem man den Markt akribisch ins Blickfeld nimmt. Und Experte wird man bekanntlich nicht von heute auf morgen – und wohl auch nicht in zehn Wochen… Ja, eine Expedition will gut vorbereitet sein.

So übe ich mich weiter in Geduld und baue derweil meinen Wissensschatz sowie mein Netzwerk von Finanzexperten um mich herum auf. Und werde über all das weiter in meinem Blog berichten. So wird der interessierte Leser / die interessierte Leserin auch auf dem Laufenden darüber gehalten, wann ich mir meine Gamaschen überstülpe und mich damit in mein erstes Investment-Abenteuer stürze…

 

Katrin Frische

 

Katrin Frische, geb. 1970, ist Biografin, Inhaberin der Agentur für Storytelling und Mutter dreier Kinder. Über ihre Reise in die Finanzintelligenz berichtet sie auf ihrem Blog „Ich und Finanzintelligenz

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